Erlend Øye im Interview: Zur Abwechslung mal Olivenöl

Erlend Øye im Interview: Zur Abwechslung mal Olivenöl

Ein Mann mit einer markanten Hornbrille und vielen musikalischen Identitäten! Erlend Øye stammt aus Bergen und gründete dort mit einem Freund das Duo Kings of Convenience. Mit einem Schlag machten sie Folk plötzlich wieder hip! Dann kam sein elektronisches Solo-Album „Unrest“, der tanzbare Indierock seiner Berliner Band The Whitest Boy Alive und jetzt ist er schließlich wieder unter seinem eigenen Namen unterwegs. Auf seinem neuen Album „Legao“ hört ihr Lovers Rock und Reggae mit dem gewissen melancholischen Erlend-Øye-Touch. Wie kommt’s? Als Erlend mal wieder in Berlin war, trafen wir ihn zum Interview.

Ich glaube ich bin nicht ganz auf dem neuesten Stand. Wann bist du von Berlin nach Sizilien gezogen und warum?
Nach zehn Jahren des permanenten Reisens und Tourens bin ich auf dieses wunderschöne Fleckchen Erde in Sizilien gestoßen. Außerdem war es schon immer der Traum meiner Mutter einmal in Italien zu leben. Also sind wir zusammen kreuz und quer durch das Land gefahren, auf der Suche nach dem richtigen Ort. Mittlerweile lebe ich hier schon seit zwei Jahren.

Vor deinem Umzug warst du ziemlich aktiv in der Berliner Musik-Szene. Ich wage zu behaupten, dass in deiner neuen Heimat nicht so viel los ist, oder? Wie hat das dein Leben verändert?
Ja, das stimmt. Aber ich habe eine Band aus Neapel entdeckt: Fitness Forever, die solltet ihr euch unbedingt mal anhören.
Ich persönlich liebe gutes Essen, das ist einfach eine Leidenschaft von mir. Und Sizilien ist ein wunderbarer Ort, um sich damit zu beschäftigen und mehr über unsere Nahrung zu lernen. Nachdem ich die letzten Jahre so oft über Musik reden musste, tut es mir sehr gut, jetzt ausführlich über Dinge wie das beste Olivenöl zu reden.

Obwohl du jetzt dort lebst und auch italienisch sprichst, befinden sich auf deinem neuen Album “Legao” viele portugiesische Einflüsse. Wird sich das bald ändern?
Ich bin einfach wieder einmal spät dran! 2006 habe ich einige Monate in Brasilien verbracht. Dort sind viele Songs des neuen Albums entstanden. Einige habe ich sogar schon 2004 geschrieben! Das neueste Stück 2011, also alles vor meinem Umzug. Aber irgendwie passt das alles ziemlich gut zusammen!

“Legao” versprüht ein wunderbares Sommer-Feeling, allerdings geht es jetzt auf den Winter zu.
Tja, das kann ich leider nicht ändern. Es sollte auch früher erscheinen, aber wir sind einfach nicht rechtzeitig fertig geworden. Es wäre wirklich ein passender Soundtrack für den Sommerurlaub gewesen! Lass uns also die Daumen drücken, dass es die Leute auch nächsten Sommer noch hören.

Im Vergleich zu deiner ersten Soloveröffentlichung “Unrest”, klingt “Legao” komplett anders, wie kam es dazu?
Noch vor wenigen Jahren hätte mich diese Tatsache sehr verunsichert. Würden beispielsweise meine Fans diesen Wandel akzeptieren und mögen? Eigentlich ist es ganz einfach. Ich mache die Musik, die ich selber zu dieser Zeit gerne höre. Da sich das oft ändert, ändert sich auch mein Stil. Früher mit “The Whitest Boy Alive” oder “Kings Of Convenience” hätte ich viel eher nicht daran gedacht, so ein Album zu veröffentlichen. Heute kann ich diese Identitäten stehen lassen und einfach machen, was ich will.

Hast du schon immer softe tropisch-angehauchte Musik gehört oder erst kürzlich deine Schwäche für karibische Sounds und Lovers Rock entdeckt?
Es ist schwer zu sagen, wann ich das bewusst wahrgenommen habe. Oder ab welchem Punkt es anfing, mir richtig gut zu gefallen. Ich erinnere mich noch, dass Jens Lekman, ein schwedischer Musiker, mir ein paar Alben mit Lovers Rock gegeben hat. Schon witzig! Ein ganzes Genre, das Reggae mit Soul und R&B vermischt und bei dessen Texten es sich ausschließlich um die Liebe dreht. Bei meiner persönlichen Version davon sind die Texte natürlich anders. Ich mag den Gedanken, dass ich Hörer anrege, eine neue Stilrichtung zu entdecken. So kann ich beispielsweise Leuten Reggae unterjubeln, die sich sonst gar nicht für diese Musik interessieren würden.

Als ich bei der Vorbereitung auf unser Interview dein Album hörte, kam mir ein Song irgendwie sehr bekannt vor.
Das wird “Bad Guy Now” gewesen sein. Der Song klingt etwas nach “Dreams” von Fleetwood Mac und “Femme Fatale” von Velvet Underground. Aber auch sehr nach “Wicked Game” von Chris Isaak. Das schlaue daran ist, sie alle zu verbinden. Wenn du dich inspirieren lassen willst, dann immer gleich von mehreren auf einmal!

Du hast das Album zusammen mit der Roots- und Reggae-Band Hjálmar in deren Studio auf Island aufgenommen. Wie war das?
Es war wunderbar! Es hat sehr viel Spaß gemacht, ihnen beim Spielen zuzusehen. Dadurch, dass es ihr eigenes Studio war, ging alles sehr zügig und reibungslos. Die wussten gleich, was sie wie einstellen müssen, um es perfekt klingen zu lassen. Außerdem sind viele von ihnen auch selbst Songwriter, so entstand eine angenehme und inspirierende Atmosphäre.

“La Prima Estate” hat es nicht auf das Album geschafft. Liegt das daran, dass es einen italienischen Text hat und somit nicht zum restlichen Album passt?
In gewisser Weise ja. Ich wusste im Vorhinein, dass ich das Album mit Hjálmer zusammen auf Island aufnehmen würde. Es hätte einfach viele Dinge um einiges komplizierter gemacht. Aber hey, wenigstens war das ein wirkliches Sommer-Lied, das auch noch rechtzeitig dafür erschien, oder? Und außerdem kriege ich jetzt den Gedanken nicht mehr aus dem Kopf, ein ganzes Album auf italienisch zu machen.